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Geschichte

Torhaus und Markkleeberg

In die schriftliche Geschichte tritt Markkleeberg 1190, als ein Bere de Cleb[er]g den Verkauf des Dorfes Altranstädt bezeugt. Dieser niedere Adlige saß vermutlich auf der kleinen, später durch Rittergut und Schloss überbauten Wasserburg. Bis 1350 befand sich Markkleeberg im Besitz derer „von Cleberg“, danach wird Heinrich von Haldecken mit dem Gut belehnt.
Moritz von Starschedel gewährt hier 1592 Calvinisten Zuflucht. 1621 übernahm es ein Leipziger Kaufmann, danach die Familie von Fullen und 1731 die von Lohse.
In der Zeit der Völkerschlacht war F. W. Heinrich von Funcke Besitzer. Als letzter Eigentümer kaufte Dr. Paul Hoppe 1933 das Rittergut von der Familie von der Crone. Er hatte es bereits 1917 gepachtet. Als Folge der Bodenreform sollte er 1947 ausgewiesen werden.
Es entstand ein Versuchsgut der Universität Leipzig. Das Torhaus wurde Neubauernstelle, im Herrenhaus richtete man ein Kinderkrankenhaus und später ein Alten- und Pflegeheim ein.

1996 begann der neugegründete Förderverein „Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813“ e.V. mit der Rekonstruktion des im gleichen Jahr privatisierten Hauses.
Ein nachhaltiges geschichtliches Ereignis: Markkleeberg und die Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Um und in Leipzig kam es vom 16. bis 19. Oktober 1813 zur verlustreichsten Schlacht bis zu dieser Zeit – der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 – in deren Folge Napoleons Herrschaft über Deutschland beendet wurde. Mehr als 500 000 Soldaten 24 europäischer Nation waren daran beteiligt, über 100 000 ließen ihr Leben. Eine der drei Hauptschlachten am 16. Oktober 1813, fand bei Wachau statt.

1991 erklärte das sächsische Staatsministerium das Südliche Schlachtfeld der Völkerschlacht bei Leipzig zum Flächendenkmal. Alljährlich im Oktober treffen sich hier, am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und an den Torhäusern in Dölitz und Markkleeberg die Traditionsvereine aus Europa zum Gedenken an die Opfer der Völkerschlacht. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten finden Kranzniederlegungen, Gottesdienste, Konzerte, Diskussionsforen, Biwaks und auch Gefechtsdarstellungen statt.

Historische Karte mit einem Teil Markkleebergs

Zur Geschichte des Hauses

Das Torhaus gehört zum ehemaligen Ensemble des Rittergutes (Schloss) Markkleeberg. Es bildete den einzigen Zugang zur einstigen Wasserburg. Die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1190 besagt, dass hier ein Herr de Cleeberg sein Lehen im Schutze der Pleiße besaß. 1664 wurde das Torhaus erneuert und erhielt zwei Sitznischenportale. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand das heutige Herrenhaus. Die Besitzer des Rittergutes wechselten mehrfach bis zur Enteignung durch die Bodenreform 1945. Nach der Errichtung eines Versuchsgutes der Universität Leipzig wurde das Torhaus eine Neubauernstelle, das Rittergut zersiedelt. Zwischendurch erwog man 1947 sogar den Abriss des Herrenhauses und des Torhauses. 1996 erfolgte mit der Privatisierung des Torhauses und einem Teil der Brennerei die Sanierung und Rekonstruktion dieses Hauses.

Kämpfe in Markkleeberg

In den Morgenstunden eröffneten die verbündeten Truppen vor Wachau gegen Napoleon und seine Alliierten den Angriff. Kämpfe im Markkleeberger Raum tobten auf dem Kellerberg, im Ort (alle Ortsteile), am Schloss und auf den Feldern in Richtung Crostewitz, Cröbern und Vorwerk Auenhain. Der Ort wechselte viermal den Besitzer und die Bausubstanz wurde stark in Mitleidenschaft gezogen (Holz für Biwakfeuer).

Kämpfe auf dem Südlichen Schlachtfeld

Das Südliche Schlachtfeld umfasst im weitesten Sinne das Umfeld der Dörfer Markkleeberg, Wachau, in Richtung Cröbern, Crostewitz, Liebertwolkwitz, Fuchshain und Seifertshain.
Südwestlichster Punkt der Front war das Schlossgelände Markkleeberg. Die Ausdehnung der Front nach Osten erstreckte sich bis Seifertshain und Kleinpösna.
Der Angriff erfolgte nicht auf allen Positionen gleichzeitig. Verbündete Truppen unter Prinz Eugen von Württemberg griffen am 16. Oktober 8.00 Uhr das Dorf Wachau an, eroberten es und wurden wieder zurückgeschlagen. Nach und nach griffen die anderen Kolonnen ins Kampfgeschehen ein, so dass entlang der gesamten Frontlinie erbittert gefochten wurde. In den frühen Nachmittagsstunden formierten sich die napoleonischen Truppen zum Durchstoß der Frontlinie vor Güldengossa. Dabei gerieten die Schlacht beobachtenden Monarchen, der russische Zar, der preußische König und der österreichische Kaiser fast mit ins Kampfgeschehen, weil der Oberkommandierende der Verbündeten Truppen, Feldmarschall Fürst von Schwarzenberg vom Wachtberg (Göhren) aus die Kämpfe leitete und sie sich in seiner Nähe befanden. Das schnelle Heranziehen der Leibgarde Kavallerie (Kosaken) unter Orlow-Denisow und das Übersetzen österreichischer Reserveeinheiten über Pleiße und Gößel aus dem Raum Gaschwitz, Großdeuben, Cröbern erhielt das Gefecht aufrecht. Diese frischen Einheiten egalisierten den Durchbruch und stellten in Folge den Zustand des Vormittags wieder her.

Die napoleonischen Truppen wurden von Marshall Murat vom Galgenberg bzw. vom Meusdorfer Vorwerk aus kommandiert. Napoleon befand sich während der Schlacht in diesem Gebiet.
Mit einbrechender Dunkelheit ebbten an der gesamten Front die Kämpfe ab und keine der beiden Seiten hatte nennenswerte Vorteile errungen.

Kämpfe im Norddorf Markkleebergs, 16. Oktober 1813, Zeitliche Darstellung
» Kämpfe um Schloss und Torhaus am 16. Oktober

16. Oktober gegen 8.00 Uhr

Angriff preußisch-russischer Einheiten aus dem Raum Crostewitz/Cröbern auf das Dorf Markkleeberg. Auch das Norddorf wird durch die Verbündeten (Armeeabteilung v. Kleist) besetzt.

Nacht zum 16. Oktober

Das II. Bataillon des österreichischen Kaunitz–Infanterie-Regiments Nr. 20 unter Oberst von Luxem besetzt kampflos mit zwei Kompanien das Schloss und die dazugehörigen Gebäude. Zwei Kompanien des I. Bataillons werden in unmittelbarer Nähe des Schlosses und in Richtung Dölitzer Schloss am Pleißenufer gedeckt aufgestellt. Die Schlossbesatzung verfügt über eine Laufbrücke und eine Positionsbatterie.

Weder der Regimentskommandeur noch die Bataillionskommandeure verbleiben in der bezogenen Stellung. Noch bevor die Preußen das Norddorf erreichen, geht eine Einheit aus dem II. Bataillon mit etwa 160. Mann über die Pleiße und versucht die polnische Besatzung des Schulgeländes zu vertreiben. Die Österreicher brechen in das verteidigte Schulgebäude ein und setzen es in Brand. Von Süden her stoßen Kleists Preußen in das Norddorf und die sich dort verteidigenden Polen flüchten in östliche Richtung auf die Bornaische Straße und die Weinteichsenke zu. Unter den flüchtenden Polen befindet sich auch die Familie des Dorfschulmeisters David Schumann.

Österreicher und Preußen stellen keine Verbindung her.

16. Oktober 8.30 Uhr bis 10.30 Uhr

Der Brückenübergang Schulbrücke ist beidseitig in österreichischen Besitz (10. und 12. Kompanie des Kaunitz–Infanterie–Regiments Nr. 20 unter den Oberleutnants Hofmann und Weißvogel).

16. Oktober 10.30 Uhr

Angriff der Halbbrigade Aymard (etwa 1.250 Mann) aus Richtung Bornaische Straße gegen den Brückenkopf am Schulgelände. Rückzug der 10. und 12. Kaunitzkompanie auf das Schlossgelände. Die Österreicher und Franzosen treffen fast zeitgleich am Torhaus Markkleeberg ein. Kein Stabsoffizier des Kaunitzregiments ist anwesend. Major Volny vom Strauch–Infanterie–Regiment Nr. 24, der sich zufällig am Markkleeberger Schloss aufhält übernimmt die Befehlsgewalt. Die aus dem Schlossumfeld zurückgezogenen zwei Kompanien des I. Bataillons werden mit denen des II. vereinigt. Im Gegenstoß wirft diese Einheit die Franzosen aus dem Schlossvorfeld, der Pfarre, und den Drescherhäusern über die Pleiße zurück. Der Pleißenübergang kann nicht abgebrochen werden, die Franzosen dringen ihrerseits wieder über den Fluss. Der Kampf wogt hin und her Pfarre und Drescherhäuser werden beschädigt. Gegen Mittag wird der Kampf von französischer Seite eingestellt. Augereau, der kommandierende Marschall braucht alle Kräfte für den in Richtung Güldengossa angelegten Generalangriff. Er erkennt, dass von österreichischer Seite kein Flankenstoß aus dieser Stellung zu erwarten ist.

Der größte Teil der österreichischen Soldaten ist verwundet oder gefallen. Alle Offiziere sterben an ihren Verwundungen.

Es ist davon auszugehen, daß auf dem kleinen Geländestreifen zwischen alter Schule, Pfarre, und Schlossumfeld viele Soldaten ihr Leben verloren. Das westliche Pleißenufer wurde am 14. und 15.10. durch die Kosaken unter dem Ataman Platow feindfrei gekämpft. Major Volny wurde für seine Verdienste am 16. Oktober mit dem Ritterkreuz des Maria-Theresia-Ordens ausgezeichnet.

Museumsverbund

Vier der Völkerschlacht sich widmende Vereine gründeten im Februar 2014 unter dem Dach des Verbandes Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 e.V. einen Museumsverbund. Wir freuen uns auf Ihren Besuch unter leipzig1813.com.

Das Programm 2017 des Museumsverbundes finden Sie hier.

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